Goodbye Cat Ba Island…

Nach knapp 2 Wochen auf der Insel und im Quiri Pub ist es Zeit für mich weiterzuziehen. Wäre noch etwas geblieben, aber es stehen Reparatur-Arbeiten im Restaurant an und so ist für ein paar Tage geschlossen. Also nehme ich morgen den Sleeperbus (ein Bus mit Betten) Richtung Norden nach Sapa.

Meine Zeit hier auf Cat Ba war richtig schön. Da ich durch das Kellnern im Pub relativ schnell im Ort bekannt war, wurde ich auch nicht mehr ständig von Taxi-Fahrern, die mir „Taxi“ oder „Hello Motolbike“ zubrüllen und Kellnern, die mir mit der Speisekarte im Gesicht rumweldeln, belämmert und konnte in Ruhe durch die Stadt laufen;-) Nur Gäste, die schon mal bei uns waren, rufen mir öfters zu: „See you tonight at Quiri´s“. Ja, unser kleines Restaurant ist hier wirklich sehr beliebt – ist aber auch wirklich nice, gutes vietnamnesischen Essen, Burger und eine Riesenauswahl an leckeren Cocktails. Es ist zwar etwas abgelegen, aber da wir hier auf Tripadvisor die Nummer 1 sind, finden viele den Weg zu uns. So macht das Arbeiten auch richtig Spaß, da man Leute aus aller Welt trifft.

Der Job ist für mich easygoing – starte gegen 18 Uhr jeden Abend und bin meistens so gegen 22 oder 23 Uhr fertig. Dann kriege ich einen Cocktail meiner Wahl oder auch ein oder zwei Bier. Meine Aufgabe ist einfach: Gäste willkommen heißen, ein bisl Small Talk halten, Bestellung aufnehmen und Servieren – fast genauso wie vorher im „Winterkönig“, nur auf englisch. OK, Kommunikation mit der Küche ist manchmal etwas schwierig, wenn die Gäste Sonderwünsche haben und so hab ich mein Phone mit der unverzichtbaren Translator-App immer dabei. Allerdings kommen da manchmal wirre Dinge raus, aber irgendwie klappt es immer. Ich bin für vietnamnesische Verhältnisse zwar viel zu schnell und zu deutsch und werde deswegen desöfteren von Phong, meinem Chef, ausgebremst. Wenn ich nämlich grade keine Gäste habe, suche ich immer nach irgendwas anderem, was ich machen kann, wie Gläser spülen oder Kühlschränke auffüllen. Hab auch mal versucht, in der Küche beim Abwasch zu helfen, da wurde ich aber hochkant rausgeschmissen. Ich soll mich dann immer an einen freien Tisch setzen, mir was zu trinken holen, lesen, im Internet surfen oder einfach nur Pause machen. Und alle die mich kennen – das ist mal garnix für mich!!! Neulich abend haben sie dann nachgegeben und ich durfte in der Küche beim Abwasch helfen. OK, danach hab ich mich dafür verflucht… Es gibt hier nämlich keine Spülmaschine, sondern man sitzt im Schneidersitz um ein Loch im Boden und hat 2 Schüsseln, eine mit Spüli und eine mit klarem Wasser vor sich, und so etwas undefinierbares, was wohl einen Schwamm darstellen soll. Nach 20 Minuten hat mir mein Rücken mehr wehgetan als nach den ersten Nächten auf meiner Bastmatte;-)

Das Leben mit Phongs Family ist auch etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich fühle mich sehr wohl. Ich habe mein eigenes Zimmer, sogar mit Aircon, also wenn der Strom nicht gerade ausgefallen ist, allerdings das Bad, was gleichzeitig Dusche, Klo, Waschküche und Abstellraum ist, teile ich mir mit 6 Leuten und manchmal auch mit ein paar Kakerlaken. Außerdem tropft es dort überall rein, wenn es regnet… Abschließen kann man es auch nicht – hab es mal versucht, da ist aber der Riegel der Tür abgebrochen und ich kam erst nach einigem Rufen wieder raus. Phongs Eltern und sein Bruder schlafen im Wohnzimmer, durch das ich immer durch muss, wenn ich raus aus dem Zimmer gehe. Ist aber weder tagsüber noch nachts ein Problem – die haben einen tiefen Schlaf;-) Gegessen wird immer so gegen 12 mittags, 19 abends und nochmal nach Restaurant-Schluss. Meistens Reis oder Nudeln mit irgendwelchem Fleisch oder Fisch und Gemüse. Ganz ehrlich – manchmal weiß ich nicht, was ich da esse. Aber es schmeckt. Musste bis jetzt nur einmal passen – es gab gekochte Eier mit Küken drin und Hühnerkrallen. Aber auch das war kein Problem, es gab dann eine Portion Pommes für mich. Neulich allerdings gab es zur Feier des Tages (keine Ahnung, warum) nachts nach der Arbeit Fast Food aus dem Ort: frittierte Hühnerkrallen. Dazu wurde ich dann mehr oder weniger genötigt, und wieder Erwarten hat es mir geschmeckt. Ist ja auch mehr Panade, die man ißt, der Rest kracht etwas und ein paar Fleischfetzen hängen dran…

Auf jeden Fall hat die Familie unheimlich lieb für mich gesorgt und immer geguckt, dass es mir gutgeht und ich alles habe. Als mir in der ersten Nacht mein linker Sneaker (man zieht hier immer die Schuhe vor der Haustür aus) „entwendet“ wurde, gings direkt auf den Markt und sie haben mir neue gekauft. OK, kein Vergleich zu meinen geliebten Nikes, aber immerhin… Hat sich dann rausgestellt, dass es die Straßenhunde waren, wir haben ihn nämlich auf der Baustelle nebenan gefunden, allerdings in mehreren Teilen;-) Und als ich vor ein paar Tagen festgestellt hab, dass ich eine Blasenentzündung habe, wurde das Problem erst mal heiß in der Family diskutiert, auch einige Nachbarinnen haben sich daran beteiligt. Hier gibt es wohl keinen Arzt, also ging es mit Mutter Phong auf den Markt zu 3 (!) verschiedenen Apothekern. Hier musste ich dann Fragen über die Unterhaltungs-Funktion meiner Translator-App beantworten und war danach stolze Besitzerin von 4 verschiedenen Pillen in hübschen Farben… Etwas skeptisch, aber ich dachte, was solls – aufs Festland zum Arzt kannste immer noch fahren, falls sie nicht wirken. Das eine war aber dann wohl so etwas wie ein Antibiotika und alles war im Handumdrehen wieder gut!
Vor allem Phongs kleiner Sohn Hoi hat es mir angetan. Er ist wirklich zuckersüß und manchmal bin ich statt Kellnerin auch Nanny… Er hält immer seinen Mittagsschlaf mit mir auf meiner Bastmatte und ich bekomme immer einen Gute-Nacht-Kuss;-) Auch alle Gäste lieben ihn, meistens sieht man ihn an irgendeinem Tisch bei jemandem auf den Schoß und er trällert fröhlich „Happy Birthday“;-)

Am Freitag hatte ich einen Abend frei, diesen habe ich im „Woodstock BeachCamp – einem Hippie-Backpackers direkt am Strand, ca. 8 km außerhalb von Cat Ba Town – verbracht. Dort habe ich in einem Zelt direkt am Strand übernachtet und es mir einfach gutgehen lassen. Es waren sehr gechillte Leute dort, Musik, Feuer-Akrobatik, eine morgendliche Yoga-Session und einfach nur den Vibe genießen…

Gestern hat mir meine Gast-Family dann zum Abschied und als kleines Dankeschön eine Boats-Tour geschenkt. Morgens um 8 ging es los, leider hat diesmal das Wetter nicht so mitgespielt und es hat geregnet. Gleich im Zubringer-Bus gabs ein Wiedersehen mit einem argentinischen Pärchen, das schon öfters bei uns essen war. Auf dem Boat hat sich unsere Gruppe dann noch um einen Belgier, einen Singapurer (ja, heißt wirklich so, habs gegoogelt) und 2 Pärchen aus den Staaten vergrößert. Insgesamt waren wir ca. 20 Leute an Board, dazu noch 3 Tourguides. Zuerst ging es dann vorbei an den Floating Villages zur Ha Lan Bay. Hier sind wir dann in 2er-Kayaks umgestiegen und hatten 1 Stunde zum Rumpaddeln. Als Solo-Traveller hat man leider meistens nicht wirklich die Wahl, mit wem man sich ein Kayak teilt und so wurde ich kurzer Hand zusammen mit einer Vietnamnesin, einer 22jährigen Studentin aus Hanoi, eingeteilt. Die war aber total süß und trotz einiger Verständigungsschwierigkeiten hatten wir viel Spaß. Thanks, Há, nice to meet you.
Pitschnaß, da es weiterhin geregnet hat, ging es dann zurück aufs Boat, wo ein leckeres vietnamnesisches Essen auf uns wartete. Da ich mittlerweile fast perfekt mit den Chopsticks bin, konnte ich meiner Gruppe sogar einen Crashkurs geben, wie man am besten ohne große Sauerei damit isst;-) Weiter ging es dann durch die Ha Long Bay mit einem kleinen Swimming-Stop in einer einsamen Bucht. Danach ab nach Monkey Island. Hier hatten wir dann knapp 2 Stunden Aufenthalt und konnten hoch zu einem Aussichtspunkt klettern. Und mit klettern meine ich wirklich klettern… Nach knapp 30 Minuten über Steine und Felsen stand man aber oben und hatten einen wahnsinnigen Blick über die Buchten. Anschließend gabs ein Bier im Restaurant – umgeben von den heimischen Affen. Allerdings musste man sehr aufpassen, da die sehr aggressiv waren teilweise und gerne mal mitten auf den Tisch gesprungen sind um Pringels oder Saftflaschen zu klauen;-)

Wie immer bei so einem Trip verging die Zeit wie im Fluge und schon sind wir wieder am Pier angekommen. Natürlich wollten wir alle den Tag noch irgendwie gemeinsam ausklingen lassen und da ich arbeiten musste, beschlossen alle, einfach zu mir ins Restaurant zu kommen. Nachdem alle gegessen hatten und es auch etwas ruhiger war, konnte ich mich dann auch eine Weile noch zu ihnen setzen und mein Chef Phong hat einige Runden Bier geschmissen. Dafür bekommt er von allen bestimmt noch eine bessere Bewertung auf Tripadvisor. Dann kam das große Abschiednehmen, natürlich mit Adressen-Austausch und einem Abschiedsfoto… Sol & Matias, hope to see you in Sapa. If not, perhaps in a couple of months in Argentina – thanks for the invitation. Yong, if I ever have a stopover in Singapore – let´s meet for a Beer. Meighan & Paul, James & Laurie – the U.S. is not on my list, but if I´ll change my plans, I´ll let you know. Thanks for inviting me! And Jarne, wether in Belgium or Madrid, we see us again. You still have my fork!!! Love you all, stay in contact!

So, und jetzt noch was andres: so gut wie es mir hier auch gefällt – ich vermisse Neuseeland… Und deswegen habe ich auch nach einigen (ok, sehr kurzen) Überlegungen beschlossen, nach Asien noch mal für 3 Monate zurückzugehen;-) Wer weiß, ob ich jemals nochmal dorthin komme und außerdem bin ich nur einmal jung (oder zumindest noch in der Nähe davon;-)). Spanien und Südamerika müssen einfach noch ein bisl warten – ist ja nur nach hinten verschoben und nicht gestrichen!

Nhiều lời chào oder so…

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